Der diskrete Charme der „Radikalen Linken“ oder: Sind 20 Jahre Pause genug? 

 Das Buch „dabei geblieben“ von Rehzi Malzahn zeichnet Wege des Älterwerdens innerhalb der „Radikalen Linken“ nach. Tatsächlich dürften sich aber viel mehr Menschen irgendwann aus den verschiedensten Gründen aus der „Szene“ verabschieden und ihr den Rücken kehren. ‎Eine Rückkehr ist fast ausgeschlossen, denn nach Jahren der „Abstinenz“ ist ein Anschluss kaum wieder herzustellen. Eine (wirklich) offene Gruppe, in denen man gerade als Älterer nicht bestenfalls für einen Zivi gehalten wird,  existiert ebenso wenig wie die Offenheit der Szene für die von ihren Ritualen abweichende Lebensentwürfen.

Wir sind eine Gruppe von „Aussteigern /Ehemaligen“,  die in den 80iger und 90iger Jahren in Autonomen Zusammenhängen aktiv waren und dann nach und nach „ausgestiegen“ sind. Familien wurden gegründet, Karriere gemacht, es wurde herum probiert.

‎20 Jahre später haben wir uns wieder getroffen und geschaut, was eigentlich aus unseren Ideen und Idealen von damals geworden ist.

Sind wir jetzt selbst der „Klassenfeind“? Haben die damaligen Kämpfe für uns noch eine Bedeutung? Sind unsere Erfahrungen es wert geteilt zu werden? Haben wir heute Ressourcen, die wir früher nicht hatten, die wir teilen können und wollen? Haben wir irgendwelche Ressourcen nicht mehr? Was bedeutet Radikale Linke heute für uns?

Diese Themen schienen uns so spannend, dass wir den Kontakt zu „Dabeigebliebenen“, heutigen Aktivisten und der Herausgeberin des o.g. Buches gesucht haben.

Heraus kam die Idee einer gemeinsamen öffentlichen Veranstaltung, die vielleicht der Auftakt zu einem festen Austausch und Diskussionen zwischen den „Generationen“ werden kann.

Die Ideale, für die wir einst gekämpft haben, waren nicht falsch. Sie bleiben immer noch ein „Sehnsuchtsort“. Aber unsere Lebenswelt hat sich verändert.

Wie kann man unterschiedliche Erfahrungen nutzbar für den gemeinsamen Kampf machen? Wie Vorurteile gegen unterschiedliche Lebensentwürfe abbauen?

Gibt es noch Gemeinsamkeiten zwischen den „Generationen“?

Haben wir uns eigentlich noch was zu sagen und wollen wir auch hören, was die jeweils anderen sagen?

All dies sind Fragen, die wir gerne mit einem breiten Spektrum von Menschen diskutieren wollen.

Dazu haben wir gemeinsam mit dem  Antifa-Cafe Bremen und der Rosa-Luxemburg Initiative die Autorin Rehzi Malzahn mit ihrem Buch: „dabei geblieben“ erneut nach Bremen eingeladen und wollen mit ihr und heute Aktiven diese Themen diskutieren. Das Ganze findet statt im Rahmen des

Antifa-Café Bremen // 30.09.2016 // 19:30 Uhr // BDP Haus // Am Hulsberg 136 // 28205 Bremen

Gerade angesichts des Rechtsrucks nicht nur in Deutschland in den letzten Jahren muss die Radikale Linke eine Antwort finden, die nicht nur im Kampf gegen die Nazis auf der Straße liegen kann. Die Bewegung muss eine breite Öffentlichkeit erreichen und der dumpfen Hetze auf allen gesellschaftlichen Ebenen etwas entgegensetzen können. ‎

Aber dies ist bei Weitem nicht das einzige Themenfeld, auf dem wir Kampagnenfähig werden müssen. Von der Finanzmarktkrise und der Neoliberalen Umgestaltung der Gesellschaften, von TTIP bis Ceta, von „Bankenrettung“ bis „Spardiktate“ für die südlicheren Länder, von Antiterrorgesetzen bis zum G 20 Gipfel in Hamburg 2017 – Themen gibt es genug.

Wir möchten eine Diskussion anstoßen und mit vielen Menschen ins Gespräch kommen, mit „Aussteigern“ ebenso, wie mit „Dabei Gebliebenen“ und heute aktiven.

Vom „Black Block“ bis zum schwarzen Nadelstreifen-Anzug, es ist die Idee die zählt, nicht deren Verpackung!